Schlüssel war gestern. Die Zukunft heißt UWB.

Eigentlich ist es ja anachronistisch. Da wird an selbstfahrenden Autos gewerkelt, man bezahlt kontaktlos mit dem Handy, arbeitet im papierlosen Büro und liest die Zeitung auf dem Tablet. Aber wenn es darum geht, die Haustür zu öffnen, ist noch immer dieselbe uralte Mechanik gefragt, wie schon vor tausend Jahren. Das schreit förmlich nach einer Veränderung und genau die steht 2020 in den Startlöchern.

Als Kommunikationsmensch an der vordersten Front der technischen Entwicklung bekommt man ja immer wieder Dinge mit, die heute keiner für möglich hält und schon morgen jeder nutzt, ohne groß darüber nachzudenken. Das neueste Stichwort, das mir bei meinen Recherchen über den Weg lief, trägt die schlichte Bezeichnung Ultra Wide Band (UWB) und ist nicht weniger als die nächste Revolution zwischen Tür und Angel.

Schon die nächste Handy-Generation wird UWB können, wie heute schon WiFi, GPS und NFC. Man wird also damit nicht nur im Internet surfen, navigieren und an der Kasse bezahlen können, sondern auch sein Auto starten und die Wohnungstür öffnen. Einfach so. Kontaktlos. Völlig ohne Schlüssel. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Auch die Autos der nächsten Generation werden irgendwo einen UWB-Chip verbaut haben. Genauso wie eine Vielzahl von Geräten, die man heute dem Internet of Things (IoT) zuordnet.

„Mit UWB haben Geräte gewissermaßen ein räumliches Bewusstsein,“ erfuhr ich von Projektleiter Möller von NXP: „Sie können sich nicht nur gegenseitig erkennen. Sie wissen auch genau, wo im Bezug zueinander befinden.“ NXP in Hamburg steckt mitten drin in der Entwicklung und war neben Automobilherstellern und Handy-Produzenten maßgeblich an der Entwicklung des neuen UWB-Standards beteiligt.

Das Neue an der Technik: IoT-Geräte können nicht nur Informationen in Echtzeit miteinander austauschen. Sie erfassen auch die Laufzeit der einzelnen Signale und ermitteln daraus den genauen Standort eines Gerätes. Der UWB-Chip im Schließsystem einer Wohnungstür, erkennt daher den UWB-Chip im Handy des Wohnungsbesitzers und weiß genau, wenn er sich unmittelbar vor der Tür befindet. Daraufhin wird selbsttätig die Tür geöffnet, ohne dass dafür ein Schlüssel benötigt wird oder auch nur eine Taste gedrückt werden muss.

Der UWB-Chip kann dafür nicht nur im Handy stecken, sondern auch in einer Smart Watch oder irgend einem anderen Gerät, das man ständig bei sich hat. Und der Wohnungsbesitzer kann natürlich genau festlegen, wer Zugang zu seiner Wohnung hat und wer nicht. Auch verlorene Schlüssel stellen kein Risiko mehr dar. Anstatt das Schloss ausbauen zu müssen, wird einfach das Passwort geändert und die Tür bleibt für Unbefugte geschlossen.

Doch das ist noch nicht alles: Ein Chip im Lichtschalter erkennt, dass jemand den Flur betreten hat und macht automatisch das Licht an – um es sofort wieder auszuschalten und durch das Licht im Wohnzimmer zu ersetzen, sobald die Türschwelle überschritten wurde. Licht ist also immer nur da, wo es gerade benötigt wird.

Dabei lässt sich so ein USB-Chip auf den Zentimeter genau lokalisieren. Andere Chips können also jede auch noch so kleine Bewegung erkennen. Sie können zum Beispiel Gesten ausmachen, um damit bestimmte Funktionen auszulösen. Das Home Entertainmant-System einschalten zum Beispiel, Fernsehprogramme oder Musiktitel wechseln oder die Lautstärke verändern. Und das ohne mehrere Fernbedienungen, wie sie heute jeder im Wohnzimmer liegen hat. Das Handy genügt. Oder die Smart Watch. Oder was immer.

Bei NXP denkt man heute schon an unzählige Use Cases, die mit dem Zauberwort UWB möglich werden. Sie reichen vom Smart Home über die Smart City bis zum smarten Automobil. Wobei UWB in einem extrem hohen Maße sicher vor Manipulationen ist. Ein Signal lässt sich nicht einfach auffangen und missbräuchlich verwenden, denn es ist nicht nur an einen bestimmten Chip, sondern auch an seinen Standort gebunden und es fällt sofort auf, wenn es sich nicht mehr an dem Ort befindet, an dem es eigentlich sein sollte. Damit ist das schlüssellose Auto sicherer, als es der gute alte Schlüssel je war.