Der Besprechungsraum hat ausgedient

Wenn man sich mit Unternehmenskommunikation beschäftigt, muss man mit vielen Leuten reden. Man muss sich schlaumachen und sich mit Produkt-Managern und Entwicklern unterhalten, um zu verstehen, worüber man schreibt. Früher war das richtig zeitraubend und ich musste ständig durch ganz Deutschland reisen. Mittlerweile können auch Einzelunternehmer wie ich immer mehr vom Home Office aus erledigen.

Eigentlich hat es mich ja immer genervt: Da sitzt man vier Stunden lang im Auto oder dem ICE, um mit jemand zu reden, der sich auf irgend einem Spezialgebiet richtig gut auskennt. Anschließend fährt man dann wieder zurück und war acht Stunden auf Achse, nur um ein Gespräch zu führen, das keine zwei Stunden dauerte.

Zugegeben, es gibt Dinge, die muss man einfach gesehen haben, um sie sich wirklich vorstellen zu können. Ein Texter muss schließlich aus der Fülle seines Wissens schreiben, um wirklich gut kommunizieren zu können. Als ich meinen ersten Artikel über Virtual Reality schrieb, hatte ich eigentlich nur eine recht schwammige Vorstellung davon, was das eigentlich ist und was man damit alles machen kann. Ohne eine Live-Demo vor Ort hätte ich das vermutlich nie kapiert.

Aber die meisten Besprechungen, die ich über viele Jahre hinweg geführt habe, hätte man eigentlich auch am Telefon führen können. Oder als Online-Konferenz mit allen, die an dem Thema beteiligt waren. Das hat nur keiner getan, weil sich niemand mit der Technik auskannte. Und weil es lange Zeit doch recht komplex war, so ein System zum Laufen zu bringen. 

Ich habe hier im Home Office drei Monitore. Links von mir steht ein Notebook, auf dem meist mein Mailprogramm läuft. Vor mir schweben zwei großformatige Monitore, die mittlerweile meinen eigentlichen Schreibtisch bilden. Die Tischplatte selbst ist hingegen so gut wie leer. Meist liegen hier nur ein paar Schreiben vom Finanzamt, die mich nervend angucken, und natürlich mein Teepott, ohne den ich keinen Arbeitstg durchstehe. 

Seit Neuestem thront auf einem der Monitore eine Webcam und die schaltet sich so etwa einmal pro Woche ein, wenn mal wieder einmal eine Online-Konferenz ansteht. Seit Corona ist das nämlich zur Normalität geworden. So richtig spannend wird es immer dann, wenn sich mehrere Leute im virtuellen Konferenzraum treffen, die in halb Europa verteilt sitzen und trotzdem alle live zu sehen sind. Der einzige Nachteil zum realen Konferenzraum ist dann eigentlich nur noch, dass mich kein freundlich lächelndes Wesen fragt, ob ich Kaffee, Tee oder Wasser will. Das muss ich mir eben selbst aus der Küche holen. 

Manchmal sitzen wir auch alle vor einer Powerpoint-Präsentation, die von einem der Teilnehmer kommentiert wird. Oder wir tauschen Dokumente aus, die ich mir innerhalb von Sekunden auf den zweiten Monitor holen kann. Manchmal trudelt auch ein Bild per eMail ein, damit ich mir eine Sache besser vorstellen kann. Oder es wird mir sogar ein Video zugespielt. Am Ende sind die Aufgaben verteilt, alle freuen sich über ein gelungenes Meeting und ich kann mich an die Arbeit machen.

Ich kann nicht sagen, dass ich meine früheren Dienstreisen vermisse. Im Gegenteil, mein Auto wird heute deutlich seltener bewegt und ich habe vermutlich allein in letzten Jahr gut zwei Wochen an Reisezeit eingespart.